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  Datum: 21.07.2010  
Tanja Gönner: Private Unternehmen sollen über öffentliche Ausschreibungen am Abfallmarkt teilhaben
 
Wertstofftonne soll bisherige Sortierung nach Verpackungsabfällen und Nicht-Verpackungsabfällen ablösen

 
 

Stuttgart. Tanja Gönner, Umweltministerin von Baden Württemberg, sieht die Abfallwirtschaft im Wandel.

"Die Müllabfuhr wird zur Wertstoffabfuhr", sagte die Ministerin am 19. Juli 2010 bei einer Veranstaltung der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di. Die Abfallwirtschaft werde über die neue europäische Rahmengesetzgebung zu einer zunehmend geschlossenen Kreislaufwirtschaft weiter entwickelt. "Immer mehr Rohstoffe werden knapp", so Gönner.

Dazu zählten Ausgangsstoffe für Elektronikprodukte wie Kobalt, das zur Herstellung von Lithium-Ionen-Batterien gebraucht werde oder Neodym, das bei Elektroantrieben als starke Dauermagnete Anwendung finde.

"Der in den vergangenen beiden Jahrzehnten eingeschlagene Weg einer stetigen Steigerung von Recyclingquoten muss deshalb konsequent weiter vorangebracht werden. Es muss gelingen, die in Abfällen enthaltenen Wertstoffe weitgehend als Ausgangsstoffe für neue Produkte zurück zu gewinnen", so Gönner.

Nach Meinung der baden-württembergischen Umweltministerin solle auch künftig die Organisationshoheit bei der Entsorgung von Abfällen der privaten Haushalte bei den Kommunen liegen. Über öffentliche Ausschreibungen sollen allerdings private Abfallunternehmen am Abfallmarkt teilhaben können. "Die Abfallwirtschaft ist ein zentraler Bereich der Daseinsvorsorge, bei der es darum geht, dass ein Unternehmen dauerhaft und zu jeder Zeit die Verantwortung für eine für die Bürger verlässliche und außerdem umweltgerechte Entsorgung trägt", so Gönner. "Die Kommunen sind dafür ein Garant."

Umweltministerin Gönner sprach sich auch für eine baldige Einführung einer Wertstofftonne aus. Bei der Wertstofftonne sortierten Verbraucher dann nicht mehr nach Verpackungsabfällen, die bislang im gelben Sack landeten und Nicht-Verpackungen, die als Restmüll zu entsorgen sind. "Plastik-Kinderspielzeug, CD-Hüllen oder Plastikmappen sind es genauso wert, wieder verwertet zu werden wie stoffgleiche Verpackungen, auch wenn es nach der derzeitigen Rechtslage eigentlich "Fehlwürfe im gelben Sack" sind", so Gönner.

Die Wertstofftonne mache ökologisch Sinn, weil heute noch große Wertstoffmengen über den Restmüll in Müllverbrennungsanlagen ankämen. "Es rechnet sich auch wirtschaftlich, wenn im rohstoffarmen Deutschland solche Wertstoffe gewonnen werden."

Schätzungen zu Folge könnten von den in Baden-Württemberg jährlich rund 145 Kilogramm pro Einwohner anfallenden Restabfällen weitere sechs bis acht Kilogramm einer Wiederverwertung zugeführt werden. "In der Summe sind das jährlich landesweit 60 bis 80 Millionen Kilogramm verwertbare Abfälle." Bereits ab 2015 sei außerdem europaweit eine getrennte Sammlung von Papier, Metall, Kunststoff und Glas vorgeschrieben, so Gönner. "Deutschland kann mit der Einführung einer Wertstofftonne Vorbild für Europa werden."

 
   
 
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